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Sportartprofile und Bewegungsdarstellung

Fachpapier zu Einzel-, Mannschafts- und Extremsport sowie zur animierten Übungsbibliothek
Kennung TRAIN-PROV0001-P8 · Fassung 0.2 · Stand 13.10.2026
Verfasser: Thomas Schüller · office@sport-trainer.at


Kurzfassung

Einzelsport, Mannschaftssport und Extremsport verlangen dieselbe Rechnung — Belastung, Verlauf, Soll-Ist-Vergleich —, aber unterschiedliche Voreinstellungen. Dieses Papier beschreibt neun Sportartprofile, die Planungsmodell, Wochenrhythmus, Tests und Übungsschwerpunkte setzen, ohne das Rechenwerk zu verändern. Der zweite Teil beschreibt die Übungsbibliothek: 26 Übungen als schematische, animierte Strichfiguren mit Prüfpunkten je Bewegungsphase, einer Selbst- oder Partnerprüfung und einer Reihenfolgeprüfung für zusammengestellte Einheiten.

Anforderungsprofile der Sportarten


1 Warum Profile statt Sportarten

Eine Liste aller Sportarten wäre lang und dennoch unvollständig. Für die Planung entscheidend ist nicht die Sportart, sondern ihre Struktur: Wie viele Höhepunkte hat die Saison? Wie verteilt sich die Anforderung auf Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit, Koordination, Beweglichkeit, Taktik und Psyche? Gibt es einen wöchentlichen Spielbetrieb?

Neun Profile decken die Strukturen ab, die in der Betreuungspraxis vorkommen:

Profil Art Modell Taper Kennzeichen
Ausdauersport, Einzel Einzel linear ja wenige Höhepunkte, viel Zeit in niedriger Intensität
Schnellkraft und Kraft, Einzel Einzel Block ja Qualität vor Menge, lange Pausen
Technisch-kompositorischer Sport Einzel wellenförmig ja hohe Technikzeit, geistige Beanspruchung
Mannschaftsspiel Mannschaft Spieltag nein wöchentlicher Spielbetrieb, ungleiche Einsatzzeiten
Rückschlagspiel Einzel Block ja Turniere über mehrere Tage
Ultra- und Bergausdauer Extrem linear ja lange Einheiten am Wochenende, Gelände
Motorsport und Rallye Extrem Block ja Konzentration über lange Zeit
Schulsport Schule wellenförmig nein Vielfalt, Gruppenauswertung ohne Namen
Breitensport und Wiedereinstieg Breiten wellenförmig nein Regelmäßigkeit vor Höhe der Belastung

Die Anforderungsprofile (0 bis 5 je Achse) sind fachliche Einschätzungen zur Orientierung, keine Messergebnisse. Sie dienen der Übungsauswahl und dem Gespräch, nicht der Einstufung von Personen.


2 Einzelsport

Im Einzelsport trägt der Wettkampfkalender den Plan. Die Profile für Ausdauer-, Schnellkraft-, Technik- und Rückschlagsport unterscheiden sich vor allem in drei Punkten:

Intensitätsverteilung. Im Ausdauersport liegt der größte Teil der Trainingszeit in der niedrigsten Zone; die häufigste Abweichung in der Praxis ist, die leichten Tage zu hart zu trainieren. Im Schnellkraftsport gilt das Gegenteil für die Qualitätseinheiten: Sie werden ausgeruht und mit langen Pausen trainiert, sonst werden sie zu Ausdauertraining.

Messbarkeit. Die Sitzungsbelastung unterschätzt kurze, sehr intensive Einheiten. Im Schnellkraftprofil sind deshalb Sprung- und Sprinttests als Messgrößen hinterlegt, im Technikprofil die Bewegungsbeobachtung.

Turnierstruktur. Rückschlagspiele haben Turniere mit mehreren Spielen an aufeinanderfolgenden Tagen; die Belastung staut sich, und die Woche danach braucht Entlastung. Das Profil setzt den Wochenrhythmus entsprechend.


3 Mannschaftssport

Das Mannschaftsprofil unterscheidet sich grundsätzlich von den übrigen: Nach einer kurzen Vorbereitung bestimmt der Spieltag die Woche, über viele Monate. Das Planungsmodell ist deshalb der Spieltagsrhythmus — Erholung nach dem Spiel, Belastungsspitze in der Wochenmitte, Abbau zum nächsten Spiel.

Die für die Praxis wichtigste Einsicht steht im Profil unter „Besonderheit”: Die Belastung je Person unterscheidet sich stark nach Einsatzzeit. Wer im Spiel 90 Minuten läuft und wer 10 Minuten auf dem Feld steht, haben dieselbe Trainingswoche hinter sich, aber nicht dieselbe Belastung. Das Werkzeug „Mannschaft und Saison” macht diesen Unterschied über die angekommene Belastung je Person sichtbar; im Regelkreis erscheint er als Abweichung zwischen Soll und Ist.

Ein klassischer Taper ist im Mannschaftsprofil abgeschaltet. Vor einzelnen Höhepunkten — einem Entscheidungsspiel, einem Turnier — lässt er sich zuschalten.


4 Extremsport

Zwei Profile decken Extremsport ab, und beide sind bewusst eng gefasst.

Ultra- und Bergausdauer (Ultralauf, Berglauf, Trailrunning, Skitouren, Weitwandern): Die langen Einheiten am Wochenende tragen den Plan. Gelände, Bergab-Gehen und Last auf dem Rücken belasten anders als Strecke auf Asphalt; die Belastungsart wird schrittweise umgestellt, nicht gleichzeitig mit dem Umfang. Die Übungsschwerpunkte — Gehen mit Rucksack, Stufensteigen, Tragen mit Last, Hüftbeugen auf einem Bein — sind so gewählt, dass sie ohne Gelände trainierbar sind.

Die Grenze ist ausdrücklich: Hitze, Höhe, Ernährung und Flüssigkeit während langer Belastung sind eigene Fachgebiete mit eigener Verantwortung. Das Werkzeug plant Training; es berät nicht zu Gesundheit oder Verpflegung. Die Übersichtsliteratur zu Ultraausdauerbelastungen beschreibt ausführlich, warum diese Grenze nicht zufällig gezogen ist.

Motorsport und Rallye: Die körperliche Vorbereitung dient der Konzentration über lange Zeit — Grundlagenausdauer, Rumpf- und Griffkraft, Reaktion. Das Fahrtraining selbst, das Fahrzeug, die Sicherheitsausrüstung und das Veranstaltungsrecht liegen außerhalb des Werkzeugs.

Für beide Extremprofile ist die Anbindung an das Funknetz ohne Mobilfunk (Ausbaustufe 5) die natürliche Erweiterung; die Rahmenbedingungen dafür stehen im Konzeptpapier.


5 Die animierte Übungsbibliothek

5.1 Warum Strichfiguren

Videos von Übungen zeigen eine Person mit ihrem Körperbau, ihrer Beweglichkeit und ihren Eigenheiten — und werden unbewusst als Vorbild genommen. Eine schematische Strichfigur zeigt nur den Ablauf. Sie lässt sich aus der Datenschicht erzeugen, braucht keine Aufnahmen, keine Bildrechte und keine Einwilligung abgebildeter Personen, und sie ist in jeder Profilfassung gleich.

Die Forschung zum Beobachtungslernen stützt den Einsatz von Demonstrationen in der Bewegungsvermittlung; sie zeigt aber auch, dass Beobachtung allein nicht reicht und mit Übung und Rückmeldung verbunden sein muss. Die Bibliothek verbindet deshalb jede Animation mit Prüfpunkten und einer Prüfung durch Beobachtung.

5.2 Wie die Figur entsteht

Jede Übung besteht aus zwei bis fünf Phasen. Jede Phase verweist auf eine benannte Haltung — neun Winkel für Rumpf, Oberarme, Ellbogen, Oberschenkel und Knie in Seitenansicht. Das Werkzeug berechnet daraus die Gelenkpositionen, stellt die Figur auf den Boden und blendet zwischen den Haltungen weich über. Haltephasen, Schnitte (etwa vom Stütz in die Rückenlage) und Spiegelungen (beim Richtungswechsel) sind in der Datenschicht als Eigenschaften der Phase hinterlegt.

In Fassung 0.1 trugen 49 Haltungen 26 Übungen; in Fassung 0.64 tragen 68 Haltungen 35 Übungen. Dieselbe Rechnung erzeugt zusätzlich eigenständige animierte SVG-Dateien je Übung, die ohne Werkzeug auf einer Website eingebunden werden können.

Eine Zeichnung für alle Werkzeuge (seit Fassung 0.64). Die Rechnung von Haltung zu Bild liegt in einer gemeinsamen Datei tw-figur.js; die Übungsbibliothek und »Training gestalten« (Fachpapier 48) binden sie beim Bauen ein und übergeben nur ihre Haltungstabelle. Neue Geräte (Wand, Rückwand, Stuhl) und Verbesserungen wirken dadurch in beiden Werkzeugen gleich. Prüfung 50 zeichnet alle Abläufe beider Datenschichten an zwölf Zeitpunkten unter Node (derzeit 1 296 Bilder) und weist ungültige Werte und Geräte, die die Zeichnung nicht kennt, zurück.

5.3 Biomechanische Plausibilitätsprüfung

Eine Animation kann falsch sein, ohne dass es auffällt — ein überstrecktes Knie, ein Ellbogen, der in die falsche Richtung knickt. Die Prüfkette des Pakets prüft deshalb jede Haltung:

  • alle neun Winkel vorhanden,
  • Knie- und Ellbogenbeugung zwischen −5 und 160 Grad,
  • kein negativer Bodenabstand,
  • jede Phase mit Prüfpunkt, jede Haltedauer zwischen 0 und 1,
  • jede Übung mit mindestens zwei Phasen und plausibler Zyklusdauer.

Zusätzlich wurden alle 89 Phasenbilder beim Bau als Einzelbilder aufgenommen und durchgesehen.

5.4 Prüfpunkte statt Gelenkkommandos

Die Prüfpunkte sind so formuliert, dass sie die Aufmerksamkeit auf die Wirkung der Bewegung richten („Körper in einer Linie von Kopf bis Ferse”, „leise landen”) und nicht auf einzelne Gelenke. Das folgt der Forschung zum Aufmerksamkeitsfokus beim Bewegungslernen, nach der ein auf die Bewegungswirkung gerichteter Fokus dem Lernen in der Regel besser dient als ein auf den eigenen Körper gerichteter.

Die Prüfung erfolgt durch Beobachtung — am besten durch eine zweite Person oder ein Video von der Seite auf Hüfthöhe. Jeder Prüfpunkt wird als „sichtbar”, „nicht sichtbar” oder „nicht beurteilt” markiert. Daraus folgt ein Vorschlag — steigern, vereinfachen, beobachten —, der ausdrücklich als Vorschlag und nicht als Bewertung der Person bezeichnet ist.

5.5 Reihenfolgeprüfung

Wer aus der Bibliothek eine Einheit zusammenstellt, bekommt Dauer, geplante Belastung und eine Prüfung der Reihenfolge nach festen Regeln: Aufwärmen zuerst, Schnelligkeit und Sprünge vor Ausdauer, haltendes Dehnen nicht vor Sprüngen, Ausklang am Ende, Mindestalter eingehalten, Gesamtdauer unter zwei Stunden. Die Prüfung bewertet nicht die Qualität der Einheit; sie fängt die häufigsten Aufbaufehler ab.


6 Grenzen

  • Die Figuren sind schematisch. Körperbau, Beweglichkeit und Alter verändern die Bewegung; es gibt nicht die eine richtige Ausführung.
  • Einige Übungen (Spielformen, Wettkämpfe, Intervalle) sind durch eine stellvertretende Grundbewegung dargestellt; das ist bei der Übung vermerkt.
  • Keine Übung ist als Behandlung, Therapie oder Beschwerdelinderung beschrieben. Wo ein anerkanntes Programm eines Fachverbandes besteht, wird darauf verwiesen.
  • Die Sportartprofile ersetzen keine sportartspezifische Fachkenntnis; sie setzen Voreinstellungen.

Quellen

  1. Mujika, I.; Halson, S.; Burke, L. M.; Balagué, G.; Farrow, D. (2018): An integrated, multifactorial approach to periodization for optimal performance in individual and team sports. International Journal of Sports Physiology and Performance 13(5), 538–561. DOI 10.1123/ijspp.2018-0093.
  2. Knechtle, B.; Nikolaidis, P. T. (2018): Physiology and pathophysiology in ultra-marathon running. Frontiers in Physiology 9, 634. DOI 10.3389/fphys.2018.00634.
  3. Seiler, K. S.; Kjerland, G. O. (2006): Quantifying training intensity distribution in elite endurance athletes. Scandinavian Journal of Medicine and Science in Sports 16(1), 49–56.
  4. Stöggl, T. L.; Sperlich, B. (2015): The training intensity distribution among well-trained and elite endurance athletes. Frontiers in Physiology 6, 295.
  5. Bergeron, M. F. et al. (2015): International Olympic Committee consensus statement on youth athletic development. British Journal of Sports Medicine 49(13), 843–851.
  6. Lauersen, J. B. et al. (2014): The effectiveness of exercise interventions to prevent sports injuries. British Journal of Sports Medicine 48(11), 871–877.
  7. Wulf, G. (2013): Attentional focus and motor learning — a review of 15 years. International Review of Sport and Exercise Psychology 6(1), 77–104.
  8. Ste-Marie, D. M. et al. (2012): Observation interventions for motor skill learning and performance — an applied model for the use of observation. International Review of Sport and Exercise Psychology 5(2), 145–176.
  9. Foster, C. et al. (2001): A new approach to monitoring exercise training. Journal of Strength and Conditioning Research 15(1), 109–115.
  10. Haugen, T.; Buchheit, M. (2016): Sprint running performance monitoring — methodological and practical considerations. Sports Medicine 46, 641–656.

Zweckbestimmung: Planung und Auswertung von Training bei gesunden Personen. Kein Medizinprodukt. Keine Diagnose, keine Verletzungsvorhersage, keine Freigabe zur Rückkehr in den Sport.

Ethik: Keine Arbeit für Rüstung, Militär, Waffen oder Dual-Use-Luftfahrt.

Offenlegung: Dieses Vorhaben entsteht im Umfeld eines gewerblichen Betriebs für additive Fertigung. Wo Sensorgehäuse, Halterungen oder Messaufbauten empfohlen werden, besteht ein wirtschaftliches Eigeninteresse.