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Übungsauswahl und Einheitenplanung

Fachpapier zur Zusammenstellung von Trainingseinheiten und zur Gruppenplanung
Kennung TRAIN-PROV0001-P5 · Fassung 0.3 · Stand 14.10.2026
Verfasser: Thomas Schüller · office@sport-trainer.at


Kurzfassung

Eine Trainingseinheit entsteht nicht aus einer Liste von Übungen, sondern aus einer Entscheidung über Reihenfolge, Umfang und Pause. Dieses Papier beschreibt, wie die Übungsdatenschicht des Strangs aufgebaut ist, warum sie bewusst klein bleibt, wie aus ihr eine geplante Belastung gerechnet wird — und warum die auffälligste Zahl in der Mannschaftsplanung nicht die Gruppenbelastung ist, sondern der Abstand zwischen der am meisten und der am wenigsten belasteten Person derselben Gruppe.


1 Warum der Katalog klein bleibt

Übungssammlungen sind der am leichtesten zu füllende und der am wenigsten nützliche Teil einer Trainingssoftware. Wer tausend Übungen anbietet, hat kein Erzeugnis, sondern ein Verzeichnis: Die Auswahl wird schwerer statt leichter, und die Verantwortung für die Zusammenstellung bleibt vollständig beim Anwender.

Der Katalog dieses Strangs umfasst deshalb siebzehn Übungen in acht Bereichen — genug, um jede der fünf Vorlagen vollständig zu belegen, und wenig genug, dass jede Übung eine Ausführungsbeschreibung trägt, die jemand tatsächlich liest.

Drei Regeln bestimmen, was aufgenommen wird:

Erstens: keine Heilversprechen. Keine Übung ist als Behandlung, Therapie oder Beschwerdelinderung beschrieben. Das ist nicht Vorsicht, sondern die Grenze zur Medizinprodukteverordnung: Sobald eine Übung als Mittel gegen Beschwerden angeboten wird, ändert sich die Zweckbestimmung des ganzen Erzeugnisses.

Zweitens: bestehende Programme werden verwiesen, nicht nachgebaut. Für neuromuskuläre Aufwärmprogramme ist eine Senkung der Verletzungshäufigkeit belegt — aber für das jeweilige Programm in seiner Gesamtheit, nicht für eine beliebige Auswahl ähnlicher Übungen. Der Eintrag im Katalog plant deshalb die Häufigkeit und misst die Durchführungstreue; für den Inhalt verweist er auf das Originalprogramm des zuständigen Fachverbandes.

Drittens: jede Übung trägt eine Ausführungsregel, keine Beschreibung. Nicht „Kniebeuge mit eigenem Körpergewicht, drei Sätze”, sondern die Bedingung, unter der die Übung ihren Zweck erfüllt: Fersen am Boden, Knie folgen der Fußrichtung, Rücken lang. Bei Schnelligkeitsübungen ist die entscheidende Angabe nicht die Wiederholungszahl, sondern die Pause — Schnelligkeit wird ausgeruht trainiert, sonst wird daraus Ausdauer.


2 Die geplante Belastung einer Einheit

Aus jeder Übung ergibt sich ein Belastungsbeitrag aus Dauer und typischer Anstrengung:

Beitrag = Dauer in Minuten × Anstrengung (0 bis 10)

Die Summe über alle Übungen einer Vorlage ist die geplante Belastung der Einheit, in denselben willkürlichen Einheiten wie im Belastungsblatt.

Das ist ausdrücklich eine Schätzung, keine Messung. Der Unterschied ist wichtig genug, um ihn zu benennen:

geplante Belastung gemessene Belastung
Quelle Vorlage, vor der Einheit Rückmeldung der Person, nach der Einheit
Anstrengung typischer Wert aus dem Katalog tatsächlich empfundener Wert
Gültig für die Gruppe im Mittel genau eine Person
Wozu planen auswerten

Beide Zahlen gehören zusammen, dürfen aber nicht verwechselt werden. Wer die geplante Belastung im Nachhinein als das behandelt, was angekommen ist, plant an der Wirklichkeit vorbei — vor allem bei Gruppen mit schwankender Anwesenheit.


3 Anwesenheit als eigentliche Steuergröße

Im Vereins- und Schulsport ist die Anwesenheit die Größe, die den Plan zerlegt. Eine Mannschaft mit neunzig Prozent Anwesenheit ist keine Mannschaft, in der alle neunzig Prozent des Trainings mitgemacht haben: Die Fehlzeiten verteilen sich ungleich, und einzelne Personen sammeln über sechs Wochen einen Rückstand an, den niemand bemerkt, weil die Gruppenzahlen gut aussehen.

Das Mannschaftsblatt rechnet deshalb die angekommene Belastung je Person: die Summe der geplanten Belastungen aller Einheiten, bei denen diese Person anwesend war. Aus dem Vergleich mit dem Gruppenmittel ergeben sich drei Beobachtungen, die das Werkzeug benennt:

  1. Deutlich unter dem Mittel — typischerweise nach Krankheit oder Urlaub. Der häufigste Fehler ist, diese Personen beim Wiedereinstieg mit dem vollen Gruppenumfang mitlaufen zu lassen.
  2. Deutlich über dem Mittel — meist kein Trainingsfleiß, sondern eine zweite Mannschaft, ein Auswahlteam oder der Schulsport, der im Vereinsplan nicht vorkommt.
  3. Sprünge zwischen Wochen — eine Steigerung um mehr als die Hälfte von einer Woche zur nächsten ist möglich, sollte aber gewollt sein und nicht aus der Vorlagenauswahl entstehen.

Diese Hinweise sind Beobachtungen an eingetragenen Zahlen. Sie sagen nichts über Gesundheit, Belastbarkeit oder Verletzungsrisiko aus, und sie sind im Werkzeug ausdrücklich so bezeichnet.


4 Der Reifestand im Nachwuchs

Bei Sprungreihen und Sprungkraftübungen steht im Katalog der Hinweis, im Wachstumsschub den Umfang zurückzunehmen — und ausdrücklich, dass dafür der Reifestand maßgeblich ist, nicht das Lebensalter.

Der Grund ist der relative Alterseffekt: In einem Jahrgang wirken die früh gereiften Kinder begabt und die spät gereiften untalentiert, obwohl der Unterschied vorübergehend ist. Wer nach Lebensalter plant und auswählt, sortiert systematisch die später Gereiften aus — und damit einen Teil derjenigen, die als Erwachsene die besseren Voraussetzungen hätten.

Die Schätzung des Reifestands aus fortlaufender Körperhöhenmessung hat erhebliche Streuung. Sie taugt deshalb als Einordnungshilfe gegen Fehlurteile, nicht als Auswahlkriterium — und Talentauswahl ist in diesem Strang ohnehin ausgeschlossen.


5 Das Übergabeblatt

Im Vereinssport geht das meiste Wissen beim Trainerwechsel verloren. Was der vorherige Trainer über die Gruppe wusste — wer nach einer Verletzung zurückkommt, wer neu ist, was für die nächsten Wochen vereinbart war — steht nirgends und wird beim Wechsel mündlich in fünf Minuten übergeben oder gar nicht.

Das Mannschaftsblatt erzeugt dafür ein Übergabeblatt zum Ausdrucken: Gruppengröße, Zeitraum, Anzahl der Einheiten, mittlere Belastung je Person, letzte Wochenbelastung, verwendete Vorlagen. Der Rest — Verletzungen, Zugänge, Vereinbarungen, Termine — wird handschriftlich ergänzt. Das ist Absicht: Diese Angaben gehören zu den Personen der Gruppe, nicht in eine Datei, die weitergereicht wird.


6 Die Testauswertung und ihre Grenze

Das Testblatt rechnet neben Gruppenmittel, Streuung und Spannweite eine vierte Größe: die Messunsicherheit, geschätzt aus dem mittleren Abstand der beiden Durchgänge derselben Person, geteilt durch 1,128 — dem bekannten Umrechnungsfaktor von der mittleren absoluten Differenz auf die Standardabweichung bei paarweisen Messungen.

Diese Zahl beantwortet die Frage, die bei jedem zweiten Testtermin gestellt wird: Ist die Gruppe besser geworden, oder ist das Messrauschen? Das Werkzeug vergleicht die Änderung des Gruppenmittels mit dieser Unsicherheit und schreibt „ja” oder „eher nicht” — bewusst in diesen Worten und nicht als Prozentzahl mit Kommastellen, weil die Schätzung selbst grob ist.

Was dabei ausdrücklich nicht behauptet wird: dass es sich um eine saubere Wiederholbarkeitsprüfung handelt. Eine solche verlangt eigene Messreihen an denselben Personen an verschiedenen Tagen. Die Schätzung aus zwei Durchgängen derselben Sitzung unterschätzt die Unsicherheit, weil Tagesform, Aufwärmung und Untergrund gleich bleiben.

Die zweite Grenze steht in jedem Testblatt: Werte verschiedener Verfahren werden nicht verglichen. Ein Sprungergebnis aus der Handy-Flugzeitmessung und eines von der Kraftmessplatte sind zwei verschiedene Größen, auch wenn beide in Zentimetern angegeben sind. Für die Handy-Messung der Sprunghöhe ist die Übereinstimmung mit der Kraftmessplatte gut belegt; abgeleitete Größen wie die Absprungdauer brauchen eine Korrektur, und Verfahren mit Bilderkennung streuen stärker als die Auswertung über die Flugzeit.


Aufgaben genormter Testbatterien (seit Fassung 0.42 des Pakets)

Das Testblatt führt neben den Einzeltests die Aufgaben von fünf genormten Testbatterien. Für sie gilt dieselbe Grenze in verschärfter Form: Das Blatt erfasst das nach dem Testmanual gewertete Ergebnis, gibt aber weder die Vorschrift im Wortlaut noch Normwerte wieder und setzt keine Beispielwerte ein. Die Messunsicherheit entsteht aus der eigenen Wiederholung an einem zweiten Tag. Begründung und Quellen stehen in Fachpapier 41, Abschnitt 4.

7 Was im Schulsport anders läuft

Das Testblatt schaltet im Schulsport-Bereich fest in die Gruppenauswertung: Eintragung unter laufender Nummer statt unter Namen, keine Einzelergebnisse in der Anzeige, keine im Ausdruck. Diese Einstellung ist nicht abschaltbar.

Der Grund ist der in Fachpapier 03 beschriebene: Unter vierzehn Jahren ist die Einwilligung der obsorgeberechtigten Person nötig, und ein Verfahren, das dreißig Einwilligungen verlangt, findet nicht statt. Was nicht erhoben wird, muss nicht eingewilligt, nicht gespeichert, nicht gelöscht und nicht verteidigt werden.

Was dabei verloren geht, ist die individuelle Rückmeldung an die einzelne Schülerin. Wer die braucht, schreibt sie auf das ausgedruckte Blatt und gibt es aus der Hand — dann bleibt sie dort, wo sie hingehört.


8 Englische Oberfläche der Mannschaftsplanung (ab Fassung 0.69)

»Mannschaft und Saison« gibt es auch als »Team and season« auf sport-trainer.eu. Vorlagen, Übungen, Hinweise und Übergabeblatt sind englisch, die Rechnung (Dauer mal Anstrengung, Anwesenheit, Spanne und Unterschied zwischen Personen) ist dieselbe. Die Saisondatei enthält nur Nummern, Kennungen und Zahlen und lässt sich in beiden Sprachen laden; der Regelkreis übernimmt die Wochenwerte gleich (Fachpapier 42).

Quellen

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Zweckbestimmung: Planung und Auswertung von Training bei gesunden Personen. Kein Medizinprodukt. Keine Diagnose, keine Verletzungsvorhersage, keine Freigabe zur Rückkehr in den Sport.

Ethik: Keine Arbeit für Rüstung, Militär, Waffen oder Dual-Use-Luftfahrt.

Offenlegung: Dieses Vorhaben entsteht im Umfeld eines gewerblichen Betriebs für additive Fertigung. Wo Sensorgehäuse, Halterungen oder Messaufbauten empfohlen werden, besteht ein wirtschaftliches Eigeninteresse.